Fachlich geprüft am 15.10.2026 · Redaktion Rechtsschutz-Scheidung.de · Beträge gegen Gesetzestext und amtliche Tabellen abgeglichen
Was beim Versorgungsausgleich passiert
Alle Anrechte auf Alters- und Invaliditätsversorgung, die Ehegatten während der Ehezeit erworben haben, werden bei der Scheidung grundsätzlich hälftig geteilt (§ 1 VersAusglG). Das betrifft die gesetzliche Rentenversicherung, die Beamtenversorgung, berufsständische Versorgungswerke, Betriebsrenten und private Altersvorsorgeverträge wie Riester oder Rürup.
Die Ehezeit beginnt mit dem ersten Tag des Monats der Eheschließung und endet mit dem letzten Tag des Monats vor Zustellung des Scheidungsantrags (§ 3 Abs. 1 VersAusglG). Das Familiengericht holt bei allen Versorgungsträgern Auskünfte ein und teilt jedes Anrecht einzeln.
Kurze Ehe und Geringfügigkeit
Bei einer Ehezeit von bis zu drei Jahren findet ein Versorgungsausgleich nur statt, wenn ein Ehegatte ihn beantragt (§ 3 Abs. 3 VersAusglG). Ohne Antrag fällt der Wert des Versorgungsausgleichs weg, die Scheidung wird günstiger und schneller.
Unabhängig davon soll das Gericht Anrechte mit geringem Ausgleichswert nicht ausgleichen (§ 18 VersAusglG). Gering ist ein Wert, der höchstens 1 % der monatlichen Bezugsgröße als Rentenbetrag oder 120 % als Kapitalwert erreicht. 2026 sind das 39,55 € Monatsrente oder 4.746,00 € Kapitalwert bei einer Bezugsgröße von 3.955 €.
Ausschluss durch Vereinbarung
Ehegatten können den Versorgungsausgleich ganz oder teilweise durch Vereinbarung ausschließen oder anders regeln (§ 6 VersAusglG). Eine solche Vereinbarung bedarf der notariellen Beurkundung oder der gerichtlichen Protokollierung (§ 7 VersAusglG). Das Gericht prüft, ob sie einer Inhalts- und Ausübungskontrolle standhält.
Ob sich ein Ausschluss lohnt, hängt vor allem davon ab, wer in der Ehe mehr Rentenanrechte erworben hat. Die eingesparten Verfahrenskosten sind im Vergleich zu den Rentenansprüchen meist gering, die Notarkosten kommen hinzu.
Häufige Fragen
Wie lange dauert der Versorgungsausgleich?
Das Gericht muss bei allen Versorgungsträgern Auskünfte einholen. Erfahrungsgemäß dauert das einige Monate und bestimmt oft die Gesamtdauer der Scheidung.
Was kostet der Versorgungsausgleich mindestens?
Der Wert beträgt mindestens 1.000 €. Bei einem Verfahrenswert der Ehesache von 3.000 € erhöhen sich Gericht und ein Anwalt dadurch zusammen um 222,02 €.
Zählt eine private Lebensversicherung mit?
Kapitallebensversicherungen ohne Rentenwahlrecht fallen nicht in den Versorgungsausgleich, sondern in den Zugewinnausgleich. Private Rentenversicherungen gehören dagegen in den Versorgungsausgleich.
Was passiert, wenn ich schon Rente beziehe?
Der Ausgleich findet trotzdem statt. Der Ausgleichswert wird vom laufenden Anrecht abgezogen und dem anderen Ehegatten gutgeschrieben.
Hinweis: Diese Seite erklärt die gesetzliche Lage und rechnet mit amtlichen Tabellen. Sie ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Verbindlich setzt das Familiengericht den Verfahrenswert fest, und nur deine Versicherungsbedingungen sagen, was dein Tarif leistet.
Quellen und Stand
Alle Zahlen dieser Seite haben wir am 15.10.2026 mit den folgenden Quellen abgeglichen.
- § 50 FamGKG abgerufen 15.10.2026
- § 3 VersAusglG (Ehezeit, kurze Ehe) abgerufen 15.10.2026
- § 18 VersAusglG (Geringfügigkeit) abgerufen 15.10.2026
- § 6 VersAusglG (Vereinbarungen) abgerufen 15.10.2026
- Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung 2026 abgerufen 15.10.2026
- § 1 VersAusglG (Halbteilung) abgerufen 15.10.2026
- § 7 VersAusglG (Form) abgerufen 15.10.2026
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